Berufsorientierte Maßnahme (BOM) in der achten Jahrgangsstufe

„Unsere Schüler haben ihre betriebliche Lernaufgabe mit viel Engagement und Durchhaltevermögen bewältigt und sich der Herausforderung gestellt“, freute sich Walter Rothaug, Schulleiter der Mittelschule Bad Neustadt nach der Vorstellung der zum fünften Mal stattgefundenen Berufsorientierte Maßnahme (BOM) in der achten Jahrgangsstufe. „Das Projekt ist ein wesentlicher Baustein der Berufsfindung in den Mittelschulen und hat sich gut bewährt, so der Rektor weiter. Im März schnupperten die Schüler zunächst eine Woche in „ihren“ Praktikumsbetrieb, an den darauf folgenden neun Donnerstagen wurden sie dort eingearbeitet. Regelmäßig verschafften sich die vier Klassenleiter einen Überblick. Neben Wolfgang Issing(Klasse 8a), Ulrike Ritter (8b), Lena Dietz (8c) und Ralf Streit (8dM) komplettierte Paul Nemes als Netzwerkbetreuerin von der Gesellschaft für beruflichen Förderung (GbF) das Team. Er unterstützte die Jugendlichen bei der Praktikumssuche und in vielen Beratungsgesprächen und dankte nun den Betrieben für deren Bereitschaft zur Teilnahme.

Zunächst stellten die Jugendlichen ihre eigene betriebliche Lernaufgabe in der Klasse vor, am Abend wurden sie dem großen Publikum vorgeführt. Die Achtklässler hatten sich mächtig ins Zeug gelegt und präsentierten in der Aula ihre abgeschlossenen Aufgaben in Wort, Bild und einzelnen handgefertigten Werkstücken. In den Präsentationen wurden die Anwesenden über schulischen Voraussetzungen bei der Einstellung, Fortbildungsmöglichkeiten und das Gehalt informiert. Vier mutige Schüler stellten ihre betriebliche Lernaufgabe (BLA) dann auf der Bühne vor. Beverly Johnson aus der 8b machte den Anfang, sie absolvierte ihr Praktikum als Köchin in der Herz- und Gefäßklinik. Dabei stellte sie ihren Arbeitsalltag vor, die Zubereitung und Präsentation von Speisen und – ganz wichtig - die Hygienevorschriften. „An das lange Stehen habe ich mich schnell gewöhnt. Mir hat besonders gefallen, dass ich durch mein Praktikum neue Gewürze und Gemüsesorten kennengelernt habe und schon vieles selbstständig machen durfte“ sagte sie. „Ich weiß nun ganz sicher, dass ich den Beruf der Köchin nach dem Schulabschluss auch erlernen möchte“, lautete das Resümee der Schülerin.

Nico Englert aus der 8c plant eine Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker, entsprechend hatte er sich sein Praktikum im Autohaus Kehm gesucht. Reifenwechsel gehörte zu seinen Aufgaben, ebenso wie Werkzeuge reichen, Material holen und einordnen. Zudem stellte er heraus, wie wichtig Arbeitssicherheit für die Mitarbeiter sei. „Ich habe immer Sicherheitsschuhe und oft eine Schutzbrille getragen. Die Arbeit in diesem Betrieb hat mir Spaß gemacht, weil ich auch schon viele unterschiedliche Abläufe kennenlernen durfte“. Auf wenig Gegenliebe stieß bei ihm hingegen das Kehren der großen Werkhallen.

Klaus Engelmann – Inhaber von Metallbau Engelmann aus Wollbach -  sprach stellvertretend für die Betriebe. Jedes Jahr stellt er einen Auszubildenden ein, bot zusätzlich drei Praktikanten einen Platz. Er würde sich wehr freuen, wenn sich ein Großteil der Jugendlichen für einen Beruf im Handwerk entscheiden möge. „Viele fangen hier eine Ausbildung an, gehen aber nach der Lehre in die Industrie, weil da ein paar Euro mehr verdient werden“, bedauerte er. „Denkt aber daran, die Arbeit muss auch Spaß machen, das Geld allein macht nicht glücklich“, appellierte er an die künftigen Berufsanfänger.

Eben einen solchen handwerklichen Beruf übte Lisa Kirchner (8a) als Floristin bei der Gärterei Förster in Unsleben aus. Handwerkliches Geschick und Kreativität sei bei dieser Tätigkeit gefragt. „Ich durfte schon dekorieren, Sträuße stecken und Bestellungen bei den Kunden abliefern“. Ob die Achtklässlerin diese Ausbildungsrichtung weiter verfolgen wird, ließ sie auch wegen des geringen Gehalts offen.

Dies sieht Kay Rink, der als Einzelhandelskaufmann sein Praktikum bei Eisen Krais in Münnerstadt absolvierte anders. Er wird auf alle Fälle eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich anstreben. Für ihn waren die Praktikumswochen sehr vielseitig und hilfreich, denn er sei in seinem Betrieb schon voll integriert gewesen. „Ich durfte selbstständig viele Arbeiten erledigen, Lieferungen und Bestellungen bearbeiten, Eisen zuschneiden und Schlüssel nachmachen“, erzählte er begeistert. „Nur wenn wenig zu tun war oder gerade kein Kunde kam, hat sich die Zeit gezogen“, gab er zu. 

Als Computerfan möchte Niklas Rost eine Ausbildung in dieser Branche anstreben und später IT Fachinformatiker werden. „Auf alle Fälle wollen wir etwas mit Holz machen“, dessen sind sich Hannes Keßler und Yannick Hofmann schon jetzt sicher, bei der Firma Baumeister Holzbau Unterweißenbrunn bzw. bei der Schreinerei Freund in Rödelmaier haben die beiden ihre Liebe für diesen Beruf entdeckt. Bei den meisten Mädchen stehen weiter die klassischen Berufe wie Erzieherin oder Kinderpflegerin und Arzthelferinnen auf der Wunschliste.

„Die Umstellung Schultag und Praktikum war stellenweise schwierig, weil man an den Arbeitstagen den ganzen Tag auf den Beinen ist“  so die Achtklässler übereinstimmend“. Dennoch befanden die meisten ihr Praktikum gelungen und aufschlussreich.

© Michaela Greier